Einigkeit und Recht und Doofheit
Manchmal gibt es Tage, da fehlt einem irgendwie das schlechte Gefühl. Alles ist schön, man denkt an nichts Böses und fragt sich plötzlich was eigentlich los ist. Zugegeben, diese Tage sind seltener geworden in der jüngeren Vergangenheit, aber wenn es einmal wieder soweit ist, dann sollte das Buch „Einigkeit und Recht und Doofheit“ von Thomas Wieczorek bereitliegen. Ein einziges Kapitel lesen und alles ist wieder wie an den meisten anderen Tagen auch, man fühlt sich so richtig schön schlecht, was aber nichts mit der Qualität des Lesestoffes zu tun hat, sondern einzig und allein mit dem Inhalt, der sich um aktuelle deutsche Angewohnheiten und Charaktereigenschaften, sowie um verschiedene Menschentypen in unserem Land dreht. Der Untertitel „Warum wir längst keine Dichter und Denker mehr sind“ lässt bereits einiges erahnen.
Das Buch muss nicht unbedingt in einem Rutsch von vorne bis hinten gelesen werden, man kann sich die geschriebenen Zeilen durchaus in mehrere Portionen aufteilen, denn letzten Endes wird nichts erklärt was vollkommen neu ist. Es wird einem nur wieder vor Augen geführt, was in Deutschland mittlerweile Alltag ist und welch Geistes Kinder unter unseren Mitmenschen zu finden sind. Und ich darf ihnen versichern, jeder von uns kennt einen Vertreter der verschiedenen Kategorien, möglicherweise entdeckt man sich sogar selbst darin. Spätestens an dem Punkt ist es dann vorbei mit der guten Laune. Aber Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung, man muss ihn nur gehen.
Die amüsant zu Papier gebrachten Kapitel behandeln Menschengruppen wie „Die Untertanen“, „Die Bildungsbürger“, „Kontaktmuffel“ und „Fußball-Patrioten“, aber auch „Christliche Abendländler“ und „Ballermänner“ um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn es zum Thema Demokratie geht, dann sind die „Multikulti-Spießer“, die „Sprachpatrioten“ und die Alternativdemokraten an der Reihe. Aber auch die „Deutschen Eigenarten“ wie „Mein Auto und ich“, der Grill, der Schrebergarten und
selbstverständlich das deutsche Bier, werden auf die Schippe genommen, diesmal allerdings nicht mit dem, aus den anderen Werken des Autors („Die geplünderte Republik“ und „Die verblödete Republik“), gewohnten Hau-Drauf-Schreibstil, den ich zugegebener weise ein wenig vermisst habe. Trotzdem steckt aber noch ausreichend Sarkasmus und Ironie zwischen den Zeilen, Langeweile kommt also nicht auf.
Zusammenfassend ist das Buch eine Lektüre für alle, die ob der gewaltigen Informationsflut unserer Zeit schon wieder vergessen haben, wer und was in Deutschland für Probleme sorgt und natürlich auch für diejenigen, die sich ihre Informationen bisher nur bei RTL & Co. abgeholt haben. Für diese Gruppe ist das Buch sogar ein Augenöffner.
Erschienen sind die 288 Seiten „Einigkeit und Recht und Doofheit“ im Knaur-Verlag und für 8,99 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.


