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28 Euro!

kolumnistenschwein_150Ich war im Kino. Diese rein der Unterhaltung dienende Betätigung allein wird ja tagtäglich von Tausenden, wenn nicht gar Abertausenden von Menschen ausgeübt, ohne dass sich jeder Lichtspieltheaterbesucher gleichsam dazu berufen fühlt, gleich nach Verlassen des Kinos darüber eine wortreiche Kolumne zu verfassen. So will auch ich nicht über die Banalitäten eines Kinobesuches lamentieren, denn allein sogenanntes vom Publikum frequentiertes "Popcorn-Kino" - wie auch das im Hause selbst verabreichte Kino-Popcorn - sind hirnverrenkende Bemühungen dieser Art zweifelsohne nicht immer wert. Außer man ist vielleicht Kritiker beim Feuilleton eines Lokalblattes und verdient seinen mageren Lebensunterhalt mit dem Verriss diverser debiler Hollywood-Schinken. Auch wenn man leider davon ausgehen muss, dass das Feuilleton allemal weit weniger Besucher hat, als das Kino selbst. Hier in meiner unmittelbaren Umgebung interessiert es den geneigten Tagesblatt-Leser weit mehr, wer in den Todesanzeigen steht und wie die Heimmannschaft der 8.Liga am vorherigen Samstagnachmittag gespielt hat, obwohl man selbst dem Spiel seine bierflaschenbewehrte Aufwartung gemacht hatte. Wenn da im Feuilleton über eine Seite hinweg nur "Zicke-zacke-Hühnerkacke" zu lesen ist, merkt dass doch keine Sau.

Selbstverständlich gestehe ich jedem Menschen zu, seine Lebenszeit auf die ihm angenehmste Art und Weise totzuschlagen. Und Kultur, und somit auch Kino- wie auch Theaterkritiken, kann zuweilen schon verdammt anstrengend sein. Ich selbst las einmal eine Kritik über ein am Weimarer Nationaltheater aufgeführtes Stück, da benutzte der Autor gar Fremdwörter. FREMDWÖRTER! Und da muss ich als Bewohner des ländlichen Raumes sagen: da hat der Spaß endgültig ein Loch.

Denn wenn sich dann doch einmal ein nach Todesanzeigen oder Sportnachrichten lechzendes Landwirtschaftsmitarbeiterauge sich im Feuilleton verirrt, und stößt dabei irrtümlich auf Worthülsen wie "der Film sei über seine kaum zu ertragende Extension unüberbietbar larmoyant" und die Schauspieler strotzen vor "an Strafbarkeit tangierendem Phlegma" so mag das mich dann und wann dazu bewegen, wissbegierig im Fremdwortlexikon zu blättern, meinen Schwiegervater indes zu mindestens 100 Prozent nicht. Doch über all dieses will ich kein Wort verlieren. Ganz allein der Preis, denn ich für die Eintrittskarten bezahlte, lässt mich gallig zu Griffel und Schiefertafel greifen. Und darauf steht nun Folgendes geschrieben:

Liebe Filmschaffende,

seitdem ich mit meiner Tochter den Deal aushandelte, einmal im Monat gemeinsam ins Kino zu gehen, um somit unserer Vater-Kind-Beziehung einen minimalen Touch von gegenseitigem Interesse zu geben, gehen wir - Sie haben es gewiss schon erraten! - einmal im Monat gemeinsam ins Kino. Die Auswahl der zu begutachtenden Filme wechselt von Monat zu Monat von Vater zu Kind und umgekehrt, was dem Grundgedanken geschuldet ist, somit über die kulturellen Steckenpferde des jeweils anderen Kenntnis zu erlangen. Dies führte nun eben am vorherigen Wochenende dazu, dass ich mir den vierten Teil eines kunterbunten Piratendesaster anschauen durfte, dazu in 3D, was ja auch irgendwie einen Teil cineastischer Progressivität darstellen soll. Alles soweit im grünen Bereich, wie man halt so sagt.

Doch an der Kasse, an der ich 2 (in Worten: zwei!) Kinokarten zu erwerben gedachte, nahm mir die leicht schwergewichtige Dame sage und schreibe 28 Euro (in Worten: achtundzwanzig Euro!) dafür ab.

Werte Damen und Herren Filmschaffende und allesamt damit in einkommensabhängiger Beziehung Stehende: ich wollte das verdammte Scheißkino nicht kaufen! Ich wollte bloß mit meiner Tochter einen kaum geistige Ansprüche stellenden Film anschauen, um dadurch familiäre Harmonien zu festigen! Es liegt mir auch fern, daran herum zu kritisieren, dass ein Johnny Depp als Protagonist dieses Filmes 50 Millionen Dollar dafür eingeheimst haben soll, doch sehe ich nicht ein, diese 50 Millionen fast im Alleingang zahlen zu müssen. Herrgott: für 30 Euro lässt die wohltätige Organisation "Licht für die Welt" einen blinden Menschen am Grauen Star operieren, auch wenn ich dazu sagen muss, allein für Filme wie den soeben benannten, lohnt es sich fast blind zu bleiben. Und was soll bitteschön ein 3D-Aufschlag, wo doch der Effekt nur darin besteht, ab und zu ein paar Seile oder anderen Tand etwas realer scheinen zu lassen. Über die großen Teile aller 3D-Filme besteht der wahre Effekt allerdings doch eben nur darin, die Preise für die Eintrittskarten hochzutreiben. Auch bin ich der Meinung, dass, wenn die Preise nur halbwegs menschenwürdig gestaltet würden, mehr als nur 8 Hanseln im Saal gesessen hätten. Und mit großer Freude würde ich Ihnen diese Schiefertafel zukommen lassen, doch ging das Geld fürs Porto leider an Ihrer Kinokasse drauf. Schämen Sie sich! Von mir aus in 3D!

Pfui!

Ihr Kolumnistenschwein

(Wer von meinen Lesern einen Drucker sein eigen nennt, darf diesen Text selbstverständlich vervielfältigen und an den Wänden aller Cinestar-Lichtspielhäuser aushängen! Und dieser Text gilt für die Betreiber jener Kinoketten nur noch bedingt!)


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