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Gibt es einen „Plan B“ für Arbeitnehmer?

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man on phoneArbeitnehmer zu sein gilt heutzutage als Standard. In vergangenen Zeiten konnte der Einzelne die Vor- und Nachteile selbständiger Tätigkeiten vielleicht noch in Vergleich stellen. Mittlerweile sind die Möglichkeiten, ohne Anstellung die notwendigen Einnahmen zu erzielen, ziemlich rar geworden. Die unselbständige Erwerbstätigkeit bringt in den meisten Fällen aber auch Abhängigkeit mit sich: Abhängigkeit vom Arbeitgeber, von Gewerkschaften, von sozialer Absicherung durch den Gesetzgeber. Obwohl die Situation für Arbeitnehmer immer schwieriger wird, vernehmen wir trotzdem höchst selten, wenn überhaupt, Forderungen nach Alternativen.

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Statistiken zufolge ist die Zahl der selbstständig Erwerbstätigen im Laufe der letzten Jahre zwar wieder gestiegen, doch handelt es sich in den meisten Fällen, wenn ich die Lage richtig verstehe, um Tätigkeiten mit höchst bescheidenen Einkommensmöglichkeiten. Der Grundtenor der Neuzeit besagt: Der Mensch braucht einen Arbeitsplatz.

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Geschichtlich betrachtet war dies natürlich nicht immer so. Auch wenn gerne auf das tragische Schicksal von Arbeitern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verwiesen wird, die zwölf und mehr Stunden täglich zu schuften hatten, nur ein bestimmter Anteil der Bevölkerung verdiente sich seinen Lebensunterhalt in Fabriken.

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Doch ungeachtet oft verfälschter Vergleiche mit der Vergangenheit, aufgrund des technischen Fortschritts befinden wir uns heute ohnehin in einer völlig neuen Situation. Dies ändert aber nichts an der Frage, warum tatsächlich so viele Menschen gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt durch unselbständige Erwerbstätigkeit zu verdienen. Wäre es nicht für Viele wünschenswert, Arbeiten auszuführen, bei denen sie eigene Kreativität einsetzen können? Tätigkeiten, bei denen die Selbstverantwortung mehr zählt als die Pflichterfüllung? Geschäfte und freiberufliche Aktivitäten, die nicht gleichzeitig enormen Kapitalbedarf mit sich bringen? Was spricht dagegen, wenn sich kein geeigneter Job findet, sein Schicksal einfach in die eigene Hand zu nehmen?

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Natürlich steht diese Möglichkeit nicht für jeden Beruf offen. Doch was geschieht, wenn es in einer bestimmten Sparte einen Überschuss an Arbeitskräften gibt? Wird in solchen Fällen nicht eine Umschulung nahegelegt? Eine Umschulung, die dann aber wiederum in einem anderen Bereich in die Abhängigkeit führt.

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Wer sein Leben ausschließlich in einer der führenden Industrienationen verbracht hat, dessen Vorstellungen reichen selten über die vorgegebenen Grenzen hinaus. Nachdem die Vorschläge, die ich zu nennen plane, Parallelen mit jenen Ländern aufweisen, die wir gerne als „unterentwickelt“ bezeichnen, stoßen diese auch oft auf Ablehnung, ohne die jeweiligen Vor- und Nachteile überhaupt ins Augenmerk zu fassen.

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Ungeachtet des erlernten Berufes, was sieht unsere Gesellschaft vor, wenn sich nun wirklich keine Anstellung finden lässt? Auf einige Zeit gibt es Arbeitslosengeld und dann steht zur Wahl: Umschulung oder Hartz-IV. Zweifellos verfügt aber jeder Mensch über Fähigkeiten, die nicht unbedingt in das vorgegebene Schema der Industrie passen, vielleicht aber anders nutzbar wären.

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Ich möchte hier aber noch einen Schritt weiter gehen: Es wird Ihnen eine Position angeboten, die mit monatlich 2.500 Euro honoriert ist. Finden Sie diese Entlohnung wirklich angemessen? Oder willigen Sie nur deshalb ein, weil kein anderes Unternehmen für diese Art von Anstellung mehr bezahlen würde?

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Es war noch zu Zeiten der kommunistischen Diktatur, dass ich mich mehrmals mit einem netten Mann in Budapest unterhielt, der Erfrischungsgetränke und Honig an Touristen verkaufte. Als er mir eines Tages erzählte, dass er von Beruf Bauingenieur sei, fragte ich verwundert, warum er seine Ausbildung nicht nutzte. Warum zog er es vor, am Straßenrand zu stehen und diese unqualifizierte Tätigkeit auszuüben?

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Er gab mir die Antwort. Mit breitem ungarischen Akzent erklärte er: „Ein Bauingenieur verdient im Monat 4.850 Forint.“ Darauf schätzte ich seinen Verdienst als Straßenverkäufer auf 10.000 Forint und er antworte mit spitzbübischem Lächeln: „Bisschen mehr ist es schon!“

Was ließe sich nicht alles, insbesondere im Dienstleistungsbereich, anbieten, wobei weder kostspielige Maschinen noch teure Geschäftsmieten vonnöten wären? Frisch gepresster Fruchtsaft oder Würste vom Holzkohlengrill an der Straßenecke. Was lässt sich nicht alles billig bei Ebay erstehen und auf zusammenklappbaren Tischen am Bürgersteig anbieten? Wie viele Dienstleistungen, vom Ausmalen der Wohnung bis hin zum Haarschnitt, könnten auf unabhängiger Basis erbracht werden?

Welche Argumente sprechen dagegen?

Der Staat könnte keine Kontrollfunktion ausüben!

Das braucht er auch nicht. Der Kunde kann sich ja schließlich selbst entscheiden, ob er überwachte, dafür aber kostspielige Leistungen in Anspruch nimmt – oder ob er seinem Nachbarn vertraut.

Dabei handle es sich um eine unlautere Konkurrenz für Gewerbetreibende, die hohe Mieten und nicht minder hohe Abgaben entrichten!

Vernehmen wir nicht immer wieder den Begriff der „freien Marktwirtschaft“? Wie frei ist die Wirtschaft, wenn ich als Bürger nicht das Recht habe, Waren zu kaufen und zu verkaufen? Wenn bestehende Läden Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, dann sinkt die Nachfrage nach Geschäftslokalen und somit die Mieten. Wo bleibt das Prinzip von Angebot und Nachfrage? Mit Freiheit hat all dies sicher nichts zu tun.

Es würde eine Parallelwirtschaft entstehen!

Ist dieser Begriff nicht ohnehin völlig absurd? Wirtschaft dient der Bereitstellung von Konsumgütern. Und wer seine Leistung für Andere nutzbar macht, dem steht es auch zu, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Was hat denn der Staat überhaupt damit zu tun, wenn mir der Sohn meines Nachbarn mein Arbeitszimmer ausmalt und ich ihm dafür 100 Euro bezahle? Ich erhalte die Leistung und er sein Geld. Und wenn der Staat Mittel braucht, dann soll er sich diese doch bei den Leuten holen, die über Mittel verfügen – und nicht bei Menschen, die ihre Arbeitskraft veräußern, um sich ein Abendessen leisten zu können.

Die einträglichsten Geschäftszweige stehen unter der Kontrolle von Konzernen. Und unsere Staaten unterstützen diese Konzerne, indem sie Regelungen schaffen, die gerade diesen dienen; die sie vor der Konkurrenz kleiner Unternehmer schützen.

Was ist denn eigentlich ein Staat? Handelt es sich dabei nicht um die Gesamtheit der Bürger? Sollten somit nicht die Interessen dieser Bürger im Vordergrund stehen?

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es offensichtlich geworden ist, dass die Führung des Staates auf allen Ebenen versagt hat. Die Bürger verarmen, während „internationale Investoren“ Jahr für Jahr mehr Milliarden auf ihren Konten verbuchen. Die Politik hat die Bürger zu lebenslanger Schuldsklaverei verdammt. Individuelle Erwerbstätigkeit wird als Schädigung der Volkswirtschaft bezeichnet, als Parallelwirtschaft. Warum? Weil es den Finanzbehörden plötzlich nicht mehr möglich ist, einen Anteil der Einnahmen zu beanspruchen. Weil das Geld fehlen könnte, den privaten Finanzsektor zu befriedigen. Haben wir diesen denn nicht ohnehin schon ausreichend befriedigt? Wo kommen denn die vielen Billionen her, die in Steueroasen gebunkert sind?

Wir leben in einer Krise und sonderbarerweise scheint es, als hätte sich die Mehrheit damit abgefunden, mit dieser Situation weiterzuleben. Ist unsere Zukunft und die unserer Kinder nicht zu wichtig, um die Verantwortung weiterhin jenen Menschen zu überlassen, die diese Krise heraufbeschworen haben? Jenem System, das zwingend in diese Krise führen musste?

Ja, natürlich wünschen sich Viele, dass doch alles so weitergehen möge, wie es einmal war. Ein gesicherter Arbeitsplatz. Ein menschenwürdiges Einkommen. Fünf oder gar sechs Wochen bezahlten Urlaubs. Rentenanspruch. Doch ist es noch immer nicht offensichtlich genug, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen wird, solange ein Großteil der Leistung, die von Menschen erbracht wird, dem weiteren Anwachsen des internationalen Kapitals dient?

Ein Großteil mag es ja vorziehen, eine Anstellung anzunehmen und pflichtgetreu jeden Morgen am Arbeitsplatz zu erscheinen. Es wäre ja auch niemand gezwungen, bei Straßenhändlern zu kaufen oder private Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Doch warum nimmt sich die Politik das Recht heraus, uns Bürger auf allen Ebenen zu bevormunden? Mir würde es gewiss nicht gefallen, an der Straßenecke Würste zu braten, und trotzdem finde ich, dass jedem das Recht zustehen sollte, dies zu tun. Und zwar ohne teure Platzgebühren, Bewilligungen und der Verpflichtung, das halbe Einkommen an die Schutzgeldmafia – Pardon: an die Finanzbehörde – abzuliefern.

Den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen, wird nicht funktionieren. Denn der Beweise gibt es mittlerweile genug, wohin unser derzeitiges Wirtschaftssystem führt. „Small is Beautiful“ lautet der Titel eines 1973 veröffentlichten Buches von Ernst Friedrich Schumacher. Und der Untertitel auf Deutsch übersetzt: „Eine Wirtschaftsstudie, als würden die Menschen von Bedeutung sein!“ Wir sind von Bedeutung. Doch das müssen wir unseren Politikern wohl erst einmal begreiflich machen.

Über Konrad Hausener