Herr Sarrazin - Ein Kommentar
Herr Sarrazin ist ein Mensch, der seine Meinung - egal wie abgeschmackt diese auch ist - auffallend gern öffentlich macht. Und, so hört man munkeln, er sei so etwas wie die Stimme der schweigenden Mehrheit. Dies sei dahin gestellt, doch selbst wenn es so wäre: wie kann die schweigende Mehrheit darüber urteilen, ob ein Mensch kalt oder warm zu duschen hat? Original-Zitat Sarrazin: „Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben." Immerhin entstammt dieses Zitat nicht etwa einem Sarrazin-Ratgeber für Pfennigfuchser und Hobby-Geizhälse, damit diese weitere Euros auf ihrem Konto stapeln können. Nein, dieser Ratschlag ging an die Hartz4-Empfänger, auf deren Konten sich allemal nur Soll-Summen stapeln.
Viel wird in diesem unserem Lande über den Begriff der Freiheit diskutiert. Doch wie frei ist man, wenn man auf Grund von Bedürftigkeit vorgeschrieben bekommt, wie man seine Hygiene zu betreiben hat? Und wer will einem Hartz4-Empfänger zudem diktieren, ob er von seiner Stütze auch Zigaretten oder ebenso Alkohol kaufen darf? Sind saubere Füße und Drogen etwa nur ein Vorrecht der Begüterten? Ist, wer von der schweigenden Mehrheit abhängt, dazu verurteilt, nun nach deren Schweigen zu tanzen? Fordern und fördern: kein Problem. Aber Menschen, die schon am Boden liegen, auch noch in den Dreck zu treten, das ist der Zynismus, der dem deutschen Sozialstaat das Genick bricht.
Aber vielleicht empfiehlt Herr Sarrazin das kalte Duschen ja auch nur deshalb, weil er selbst zu heiß gebadet hat.


