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AKW Gundremmingen – Wenn eine Mauer Denkprozess behindernde Bretter löst

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zwischenlager gundremmingenManchmal bedarf es eines verhüllenden Bauwerkes, um den Blick auf Offensichtliches zu lenken. Im Falle des Atommüllzwischenlagers Gundremmingen ist dies eine Mauer mit den Ausmaßen 200 x 10 x 0,85 Meter, die den Komplex besser vor möglichen Terrorangriffen schützen soll. Und diese Mauer, die noch nicht einmal vorhanden ist, bewirkt etwas, was kritische Bürger, Umweltorganisationen und kritische Experten seit Jahrzehnten zu erreichen versuchen: CSU-Politiker verteidigen vehement das Recht der Bevölkerung, mehr über die Sicherheitsmaßnahmen zu erfahren. In einem „Brandbrief“ verlangen Georg Nüßlein und Alfred Sauter umfassende Details zu den geplanten Baumaßnahmen und zeigen sich fassungslos über die „mangelnde Kommunikationsbereitschaft und Transparenz des Bundesamtes für Strahlenschutz“. Die zuständige Aufsichtsbehörde jedoch hält wohl „aus Geheimhaltungsgründen“ nähere Informationen zurück. Das Bundesamt für Strahlenschutz spricht gar von „populistischer Meinungsmache […] wider besseren Wissens“.

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Wider besseren Wissens handelten zahlreiche Politiker eher seit jeher, angesichts von Ungereimtheiten, nicht gemeldeter Störfälle und tatsächlichen Risiken der Kernkraft, die von Umweltschutzorganisationen und kritischen Wissenschaftlern aufgezeigt wurden. Anders formuliert, sie handelten eben nicht. Beispielsweise im Juli 1963 nicht, als die Reaktorsicherheitskommission (RSK) eine Stellungnahme zu dem bereits in Bau befindlichen Kernkraftwerk Gundremmingen vorlegte:

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Der TÜV-München kam in einer Sicherheitsstudie zu dem Ergebnis, „dass beim Bruch einer Speisewasserleitung das Reaktor-Druckgefäß innerhalb von 10 Sekunden entleert“ sei. „Bei teilweisem Versagen der Notkühlung sind innerhalb weiterer 10 Sekunden […] die Brennstoffhüllen soweit erwärmt, dass sie durch den Innendruck der Spaltgase gesprengt werden. „Dabei sei anzunehmen, dass 20 % der Spaltgase sofort und die restlichen 80 % binnen einer Stunde in die Atmosphäre freigesetzt würden“

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Dies kann man in der Chronik des AKW Gundremmingen und des Atommüll-Lagers Schwaben nachlesen, ebenso, als Auszug aus seinem Buch „Radkau a.a.O.“ (S.369f), die Einschätzung Professor Radkaus dazu:

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„Das bedeutet im Klartext, den Tod von Tausenden. Hätte man aus einer solchen Prognose Konsequenzen gezogen, dann hätte man den Bau des Kernkraftwerks sofort unterbinden müssen, zumal der endgültige Sicherheitsbericht über Gundremmingen von der Erbauerfirma jahrelang verschleppt wurde“.

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Auch folgendes dürfte nur an ganz fest verschlossenen (Politiker-) Augen vorbeigegangen sein: „Das AKW Gundremmingen wurde genehmigt, ohne dass ein Sicherheitsbericht oder auch nur eine Konstruktionszeichnung des Reaktor-Druckgefäßes vorgelegt worden war. Groos (langjähriger Sicherheitsreferent des Atom- und Forschungsministeriums) zog die resignierende Bilanz: „Tatsächlich ist das Kernkraftwerk im wesentlichen auf Risiko des Betreibers ohne atomrechtliche Genehmigung errichtet worden.“ (Radkau a.a.O. S. 406)

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Wobei dies nur die halbe Wahrheit ist, „denn RWE hatte sich vertraglich von der Bundesregierung die Übernahme von neun Zehntel eventueller Betriebsverluste zusichern lassen. Ebenfalls war vorher ausgemacht worden, dass bei einem Unfall für die Entschädigung von Firmen und Bürgern hauptsächlich der Staat gerade stehen würde oder aber die Geschädigten keine finanzielle Wiedergutmachung bei Atomunfällen bekommen sollen“.

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Dank einer Mauer dämmert jetzt sogar in Köpfen mancher Politiker, dass unsere Atommeiler bis heute nur ungenügend gegen multiple Gefahren gesichert sind. Da erscheinen beschwichtigende Äußerungen aus Betreiberkreisen endlich zunehmend im passenden Zwielicht. Gerhard Knoerzer beispielsweise, 1970 technischer Leiter des REW–Bayernwerks, vertrat in einem Interview zur Sicherung gegen mögliche Flugzeugabstürze vor über 40 Jahren schon die feste Meinung:

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„Dazu kann man – etwas makaber, aber wahr – sagen: Dann geht das Flugzeug kaputt.” Auf das Risiko einer möglichen radioaktiven Strahlung angesprochen, antwortete er: „Nein. Das ist alles sehr sorgfältig durchgerechnet worden.” Selbst gegen einen Bombentreffer sei der Reaktor mit Stahl und Beton dreifach gesichert. „Nicht einmal eine konventionelle Waffe richtet hier etwas an.“

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Was die Betreiber sagen, war und ist immer noch Gesetz. Die zuständige Aufsichtsbehörde wird sich nicht dagegenstellen, besteht sie doch neben dem Bayerischen Umweltministerium zu 2/3 aus Vertretern von E.ON und RWE. Viel zu spät scheint ein Denkprozess einzusetzen, es ist zu hoffen, dass oben angeführter „Brandbrief“ nicht tatsächlich lediglich populistisch im Wasserglas erlischt. Die Hoffnung auf sichere Arbeitsplätze und sicheres Einkommen dämmt nun mal das Gespür für lebensbedrohliche Gefahren ein, wenn es denn überhaupt aufgrund von Informationen vorhanden sein kann. Bestes Beispiel ist das spanische 500-Seelen Dorf Villar de Cañas, das euphorisch den Bau eines Zwischenlagers in ihrer Gemeinde feiert. So verständlich es jetzt ist, an dieser Stelle fassungslos den Kopf zu schütteln, so selbstkritisch sollten wir hinterfragen, was bei uns so vor sich geht:

Eine Partei, die seit einem Jahr nur mehr knapp 3 % der Bevölkerung hinter sich stehen sieht, stellt nicht nur Außen-, Gesundheits-, Justizminister und Vizekanzler, nein, Rösler darf sich zudem als Wirtschaftsminister narrenfrei im weiten Feld seiner Unkenntnis austoben, die er mit Lobbypolitik zu kompensieren versucht. Sollte er tatsächlich mit seinem Veto den Vorschlag einer EU-Kommission zur Energieeffizienz-Richtlinie mit verbindlichen Zielen kippen, ist ihm dies auch noch gelungen.

Wenigstens in dieser Hinsicht können wir handeln. Sofort, denn es eilt. Campact rief zur Unterschriftenaktion auf, um mit einem Appell die Blockade dieser Richtlinie zu verhindern. Dazu müssen wir nicht einmal vor die Tür.

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