Beachvolleyball in Fukushima? Warum nicht!
Es soll ja Mitmenschen geben, denen es völlig egal ist, dass der Sand, der ihnen am Urlaubsstrand durch die Zehen rinnt und mit dem Kinder bzw. Enkel Burgen bauen, bereits zu rund 10 Prozent aus Plastikpartikeln besteht. Tendenz steigend. Egal, was einen nicht direkt umbringt, macht stark! Und wenn es den Kindern doch so gut schmeckt, machen die paar toxischen Substanzen im Meeresfisch auch nichts mehr aus! Für diese Zielgruppe gibt es nun das Reiseziel schlechthin: Nakoso-Strand , 65 km von Fukushima entfernt und inmitten des Landes der Kirschblüten, die neuerdings besonders schön erstrahlen.
Von offizieller Seite her liegt die gemessene Radioaktivität über diesem weißen Strand, einst als Urlaubermagnet berühmt, tatsächlich „weit unter den als gesundheitsgefährdend geltenden Werten und sogar unter dem Niveau der natürlichen Strahlung in vielen Ländern“.Ebenso unbedenklich sei es, im Meer zu baden, werden die örtlichen Behörden von Greenpeace zitiert.
Die Rechnung der Verantwortlichen geht auf, tatsächlich sieht man Badegäste, darunter junge Leute und Kinder. «Wenn wir uns ständig wegen der Strahlung Sorgen machen würden, könnten wir gar nichts mehr unternehmen», ist der Tenor der Badegäste. An der Einstellung können auch örtliche Umweltgruppen nichts ändern, die erheblich höhere Strahlenwerte messen. Seiichi Nakate vom Netzwerk zum Schutz von Kindern vor Strahlung sieht in der Wiedereröffnung des Strandes den Teil einer Kampagne von Regierung und Medien, um das Image eines heilen Fukushima zu vermitteln.
Erschütternd, in der Tat! Aber steht es uns an dieser Stelle tatsächlich zu, den Kopf über solch unfassbare Verantwortungslosigkeit zu schütteln? Hat uns selbst nicht schon längst ein ähnlich gefährlicher Fatalismus ergriffen? Ein Indiz dafür dürfte die Aufregung über zu hoch gegriffene Olympiaerwartungen sein, die unsere Athleten einfach nicht erfüllen konnten, während wir gleichzeitig eine durch nicht grundgesetzkonforme Wahlen zusammengewürfelte Regierung mit Hilfe abnickender Abgeordneter ständig und fortgesetzt Entscheidungen fällen lassen, obwohl sie sich wiederholt und gründlich selbst disqualifizierten. Bleiben wir themengerecht doch einmal bei den Stolpersteinen, die einer erfolgreichen Energiewende regelmäßig in den Weg geworfen werden. Neuester Brocken ist die Befreiung energieintensiver Betriebe von der Ökosteuer, selbstverständlich zu Lasten der Steuerzahler. Der Druck darf schließlich nicht nachlassen. Wobei die Entlastung solcher Betriebe an und für sich ja nicht verkehrt sein muss: Immerhin geht es um Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze.
Solche Entlastungen sollten aber dann strikt an Vorgaben gekoppelt sein: Nachweise über Stromeinsparungen, Standort- und Arbeitsplatzgarantie, Rückzahlung aller geldwerten Vorteile aus solchen Einsparungen, entsprechend verzinst, bei Zuwiderhandlung bzw. Abwanderung. Sollten, wohlgemerkt, dazu wird es aber nie kommen. Dank eines Klientel gesteuerten Wirtschaftsministers gibt es lediglich eine „freiwillige Selbstkontrolle“, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie unterzeichnet wurde. Richtig, es ist längst nicht nur Philipp Rösler, der jenseits jeglichen Gewissens und entgegen des mehrheitlichen Willens 80 Millionen Menschen unverhohlen an der Nase herumführt. Aber bei Rösler wird überdeutlich, was der falsch Mann am falschen Platz, arm an Grundkenntnissen, seine Ressorts betreffend, dafür reich an Freunden, denen er gerne raffinierte Süppchen kredenzt, anrichten kann. Lukullische Liebesdienste für die Lobbyistenrunde, die Ähnlichkeit des Herrn mit Lucullus Antlitz aus der Asterixreihe kommt wohl nicht von ungefähr.
Wen wundert's noch, dass das Wirtschaftsministerium ausgerechnet für Temelin, das pannengeplagte AKW nur 60 km von der deutschen Grenze entfernt, Hermesbürgschaften in Höhe von acht Milliarden Euro nicht ausschließt?
Aber wir lassen sie ja gewähren, eigentlich müssen wir gar nicht erst durch Brot und Spiele abgelenkt werden. Schade eigentlich: Zur weiteren Gewöhnung könnte man den Platz für Beachvolleyball mit weißem Sand direkt aus Fukushima Beach auffüllen, dann schließt sich der Kreis.


