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Zerreißprobe für Ägypten!

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aegyptenAllahu Akbar – „Gott ist groß“, das schreien die Muslimbrüder derzeit in den Straßen von Kairo und glauben, als seine direkten Vertreter auf Erden mit Schlagstöcken und Waffen für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Oder zumindest dafür, was sie darunter verstehen. Dass das weder etwas mit Recht, noch mit Ordnung im Sinne einer zivilisierten demokratischen Gesellschaft zu tun hat, das stört sie wenig, zumal sie von der sowieso nichts halten. Sie haben ihre eigene Auslegung von Recht und Ordnung, wobei sich ersteres nahezu im Beten erschöpft und letztere an das mittelalterliches Weltbild erinnert.

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Gott ist groß, und zweifelsohne muss er auch einen breiten Rücken haben! Was in seinem Namen alles veranstaltet wurde und wird, ist der absolute Wahnsinn. Egal unter welchen Glaubenssymbolen und unter welchen Flaggen. Derzeit in Ägypten, wo sich die Jünger des pharaonischen Islamisten-Präsidenten Mohammed Mursi aufschwingen, um die Allmacht ihres Oberhauptes zu verteidigen. Genau diese und die Verfassung sind nämlich den liberalen Parteien und deren Anhängern ein schmerzhafter Dorn im Auge. Sie möchten ihre geliebte Om El Donya, also die „Mutter Erde“, wie die Ägypter ihr Land nennen, nicht zu einer Theokratie verkommen lassen. Deshalb demonstrieren sie seit Tagen in Kairo am Tahrir Platz, vor dem Präsidentenpalast und in anderen Städten. Doch die ersehnte und erhoffte Freiheit ist so weit weg, wie sie es selbst unter Hosni Mubarak nicht war.

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Kairo brennt – einmal mehr … Nicht mal zwei Monate vor dem zweiten Revolutionsjahrestag ist der Tahrir Platz wieder eine Zeltstadt, hängen wieder Tränengas-Schwaden über der Stadt am Nil, gibt es wieder zahlreiche Verletzte und – ja, auch Tote. Ihr Blut klebt jetzt an den Händen von Mohammed Mursi, dem „Präsidenten aller Ägypter“, der angetreten war, um die Märtyrer der ersten Revolution zu rächen. Wäre es nicht so traurig, würde das Szenario fast schon komödiantisch anmuten. Lächerlich ist es allemal. Nur nicht zum Lachen.

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Es war so durchschau- und vorhersehbar – aber wie immer, wollte niemand glauben, dass Mursi keinesfalls ein Präsident für alle Ägypter wird. Es hat sich nichts geändert, im Pharaonenland, sieht man davon ab, dass der „Pharao“ dieses Mal aus einem anderen Lager kommt. Die Situation wird der in Syrien immer ähnlicher, nur mit umgekehrten Vorzeichen.

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Während in Syrien die radikalen Islamisten die Opposition bilden, sind es in Ägypten die Liberalen, zumal dort die Islamisten bereits am Ruder sind. Die Gewaltbereitschaft ist aber dort wie da eine hohe, und alle kämpfen um ihre „Freiheit“, wenngleich diese – wie so vieles – Auslegungssache ist. Ägypten ist aber ein paar Schritte weiter als Syrien. Der alte Diktator ist gestürzt und ein neuer gewählt. Wenn man im Kreis geht, kommt man zurück – egal wie viele Schritte man vor jemandem anderen geht.

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Ägypten geht definitiv im Kreis. Ich würde gerne wissen, wie viele Menschen mittlerweile bereuen, dass sie Mohammed Mursi ihr Vertrauen schenkten. Wie viele sich ärgern, dass sie auf seine Lügenmärchen hereingefallen sind. Ich erinnere mich, dass man mich in einem facebook-Thread eines bekannten ägyptischen Korrespondenten verbal fast gesteinigt hätte, als ich mir erlaubte, eben dort vor Mursi zu warnen und bat, nicht alles und jedem aus dem „alten Regime“ zu verteufeln. Mir und so vielen anderen politisch interessierten Menschen in Ägypten war damals klar, dass das kommen würde, was heute wieder die Nachrichten beherrscht. Es war nur eine Frage der Zeit. Und was tut der Westen? Er spendet ein paar lauwarme Warnfloskeln in Richtung Ägypten und tut ansonsten das, was er so gerne tut, wenn das, was angezettelt wurde aus den Fugen gerät: Wegschauen. Immer das gleiche Muster, immer der gleiche Ausgang.

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Der Westen (primär die USA) unterstützt mit einer an Hingabe grenzenden Leidenschaft zunächst mal immer die „Oppositionellen“, was in ganz Nordafrika auch immer bedeutet (hat): die radikalen Islamisten. Sind die dann an der Macht, hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen „legitimiert“ es sämtliche israelischen „Verteidigungsmaßnahmen“, und zum anderen wird Freund Saudi Arabien bedient.

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Geht es nach den gerne so bezeichneten „Verschwörungstheoretikern“, soll Nordafrika unter die Kontrolle des Öl- und somit Finanzimperiums Saudi Arabien fallen, und das ist es auch, das die „Rebellen“ oder „Demonstranten“ in Syrien und die Regierung und deren Anhänger in Ägypten unterstützt. So weit läuft also alles nach Plan – allerdings hat die Finanzelite die Rechnung offensichtlich ohne die beherzten Ägypter gemacht. Die denken nämlich gar nicht daran, sich von Neo-Pharao das frische Wasser der Freiheit abgraben zu lassen. Genau so, wie die Islamisten nicht daran denken, ihre Macht freiwillig abzugeben. Es sieht ganz so aus, als würde jenem Land, in dem immer die Sonne scheint, ein eisiger Winter bevorstehen. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder so viele Tote zu beklagen sind wie vor zwei Jahren. Zu befürchten bleibt: es könnten dieses Mal mehr sein. Doch da ist auch noch der Glaube … Allahu Akbar – Inchallah!

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