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Umweltschutz oder Big Business?

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Wenig bis gar nichts wurde beim letzten Klimagipfel in Doha beschlossen. Wie sinnlos jeder Versuch bezüglich internationaler Abkommen zum Umweltschutz ist, zeigte schon das Kyoto-Protokoll. Die größten Umweltschädlinge USA und China schlossen sich von Anfang an aus und Kanada distanzierte sich im Dezember des Vorjahres, um eine Zahlung von mehr als zehn Milliarden Euro zu umgehen. Kanada, reich an sogenanntem Ölsand, zählt mittlerweile zu den weltgrößten Ölexporteuren. Dafür werden Wälder rücksichtlos zerstört. Was bleibt ist toxischer Schlamm und nicht minder giftige Grundwasserseen.

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Die Nutzung von Ölsand ist nicht nur kostenintensiv, sondern vor allem enorm umweltbelastend. Greenpeace erklärt diesbezüglich:

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Denn für den Abbau des Teersandes müssen nicht nur riesige Urwaldgebiete gerodet werden: Es fallen bei der Trennung von Öl und Sand täglich knapp zwei Millionen Barrel giftigen Schlamms an. Dieses Nebenprodukt der Teersandförderung enthält u.a. Arsen, Cadmium und Quecksilber. Vermischt mit Wasser wird es einfach in natürliche Senken gepumpt. Diese toxische Brühe sickert ins Grundwasser …“

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Greenpeace bemüht sich mit der jüngsten Initiative nicht nur, der Menschen Spendenfreudigkeit zu aktivieren, sondern auch die Europäische Union dazu zu bewegen, Ölimporte aus Kanada, aus Gründen des Umweltschutzes, zu stoppen.

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Nicht nur die tropischen Regenwälder Brasiliens dienen der Regenerierung unserer Luft, sondern auch die Wälder Kanadas. Die Staaten Europas folgten dem Druck der USA und stellten Ölimporte aus dem Iran ein, weil dort angeblich an der Herstellung von Atomwaffen gearbeitet wird. Doch nicht nur, dass von der iranischen Regierung diese Beschuldigung bestritten wird, gerade jene Staaten, die am intensivsten gegen den Iran auftreten, verfügen selbst über ein gigantisches Arsenal an nuklearen Sprengköpfen, Israel eingeschlossen. In Kanada hingegen wird die Natur, das Gemeingut der Menschheit, auf Generationen hin vergiftet. Und von offizieller Seite gibt es dagegen keinerlei Einspruch. Gerade bei den Vereinigten Staaten handelt es sich um den Hauptabnehmer kanadischen Erdöls.

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Wie oft werden wir in anderen Zusammenhängen daran erinnert, dass wir uns an internationale Abkommen zu halten haben? Als Kanada 1997 das Kyoto-Protokoll unterzeichnete, lag der Preis für Rohöl bei deutlich unter $ 30 pro Fass. Die Kosten für die Erdölgewinnung aus Ölsand betragen rund $ 40 pro Fass. Der extreme Preisanstieg während der folgenden Jahre machte diese Art der Ölförderung dann plötzlich profitabel. Als Kompensation für die Nichteinhaltung der Vereinbarungen wären $ 14 Milliarden (€ 10,8 Mrd.) fällig gewesen. Am Tag nach dem Ende des Klimagipfels im südafrikanischen Durban, im Dezember 2011, verkündete Kanada den Rückzug aus dem einst unterzeichneten Kyoto-Protokoll. Ohne Konsequenzen und ohne große Diskussion. Zwar wurde die Meldung von den Massenmedien weitergegeben, doch von einem Skandal kann keine Rede sein.

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An dieser Stelle sei übrigens auch erwähnt, dass nicht „die Kanadier“ für dieses unerhörte Vorgehen verantwortlich gemacht werden können, sondern ausschließlich die Regierung, die in bezeichnender Harmonie mit der Ölindustrie handelt. Der Bevölkerung geht es um nichts besser als der in anderen Industrienationen. Die Staatsschulden belaufen sich auf knapp 90% des BIP, rund 10% der Menschen leben unter der offiziellen Armutsgrenze und an der Tankstelle kostet der Treibstoff in Kanada mehr als im Öl importierenden Nachbarland USA.

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Dieser Punkt verdient übrigens besondere Aufmerksamkeit. In den meisten Öl-exportierenden Staaten wird Treibstoff extrem billig verkauft. In Euro gerechnet kostet der Liter bleifreies Benzin im Iran 10 Cents, in Saudi Arabien 16 Cents und in Venezuela gar nur 2 Cents. In den USA wird Treibstoff um 73 Cents pro Liter verkauft. In Kanada jedoch um 95 Cents (Quelle: MyTravelCosts.com)

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Was bei diesem Vergleich noch ins Auge fällt, ist der Umstand, dass der weltweit teuerste Treibstoff in Norwegen zu finden ist. Über zwei Euro kostet dort der Liter Benzin, obwohl in diesem Land täglich mehr als 1,7 Millionen Fass Rohöl gefördert werden. Ist es nicht sonderbar, dass, während sogenannten „Schurkenstaaten“ der eigenen Bevölkerung entgegenkommen, die Menschen, die in westlichen Industrienationen leben, auf allen Ebenen abgezockt werden?

Wenn uns internationale Abkommen vor die Nase gehalten werden, an die wir uns zwingend zu halten haben, dann liegt dies daran, dass einige Konzerne an der Einhaltung verdienen. Anders hingegen ist die Situation beim kanadischen Vertragsbruch im Rahmen des Kyoto-Protokolls (wofür es aber sicher das passende rechtliche Schlupfloch gab). Denn hier profitieren einige wenige Konzerne durch die Nichteinhaltung der Vereinbarung. Suncor Energy etwa setzte im Jahr 2010 mehr als $ 35 Mrd. (€ 27 Mrd.) um, gefolgt von Imperial Oil mit $ 25 Mrd. (€ 19 Mrd.). Der Bevölkerung gegenüber wird die rücksichtslose Zerstörung der Natur damit gerechtfertigt, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Humankapital will ja schließlich genutzt werden. Und wer fragt schon nach Lebensqualität? Wer fragt, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen?

Beim folgenden Video (englisch) handelt es sich um eine von Al Jazeera ausgestrahlte Dokumentation über die katastrophalen Umweltschäden im kanadischen Alberta, die durch die Förderung von Ölsand entstehen („Wittness: To the Last Drop“):

Über Konrad Hausener